• Sonja Still
  • TV-Tipp: Dokumentation zum Haushamer Bergwachtgsang

TV-Tipp: Dokumentation zum Haushamer Bergwachtgsang

Die TV-Doku „Der Haushamer Bergwachtgsang“ ist am Sonntag, 9. Oktober, ab 19.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen in der Reihe „Unter unserem Himmel“ zu sehen. Vorpremiere war im Haushamer Staudenhäusl.

Was man sonst nur von großen Kinofilmen kennt, gab es am Sonntag im Haushamer „Staudenhäusl“ für die Fernsehdokumentation „Der Haushamer Bergwachtsgsang“: eine Vorpremiere für geladene Gäste. Das Bayerische Fernsehen hat den Männer-Viergsang im letzten Jahr mit der Kamera begleitet. Ein feiner, sehr sehenswerter Film ist herausgekommen.

Statt Eröffnungsreden sagten Sänger und Filmemacher einfach Dankeschön, an die, die sie bei ihrem Tun unterstützen. Statt rotem Teppich gab es die Erkennungsmelodie der Fernsehsendung vom Haushamer Bergwachtgsang gesungen, begleitet auf der Zither von Maria Holzer und an der Gitarre von Heiner Oberhorner.

Dann entführte der Film die Zuschauer in die besondere Welt, die hier im Oberland noch so normal scheint. Von der Bergwacht-Diensthütte auf der Bodenschneid begleitet die Kamera die vier Bergwachtler von Martin Riedl, Sepp Grundbacher, Anderl Leidgschwendner und seinem Sohn Andreas zum Gipfel hinauf. Sie sind der Haushamer Bergwachtgsang. Der Blick kann sich in der Weite des Panoramas verlieren. Die Berge rundrum leuchten: Die sanften Grasbuckel der Tegernseer Berge, die Wasserspitz, die steilen Wände des Rotwandmassivs tauchen in die untergehende Abendsonne. Am Gipfelkreuz heben die Männer zum Singen an. Kameramann Arnd Frenger, ein Aiblinger, bietet wunderbare, klare Bilder. Ruhig, bodenständig, nix ist verkitscht. Wer oft in die Berge geht, der weiß: genau so schön ist es da oben. Da ist man direkt „Unter unserem Himmel“, so wie es der Name der legendären Sendreihe verspricht, für die der Film produziert wurde.

Redaktionsleiter Corbinian Lippl und Leonhard Schwarz, der für Buch und Regie verantwortlich zeichnet, sind eigens für die Premiere nach Hausham gekommen. Schwarz ist selbst Musiker, beim BR auch für die Sendungen „Musikantentreffen“ und „Zsammg'spuit“ tätig. Sein Film beschreibt die vier unterschiedlichen Wege zum Singen. Er zeigt den Bergwachtgsang bei öffentlichen Auftritten oder wenn er auf der Gindlalm zum Hoagascht aufsingt. Kraftvoll und mitreißend, ja schneidig wirken die bayrischen Lieder, wenn sie von dem Männergesang angestimmt werden. „Ich wollte einen Film über die Kraft von Männergesang machen“, sagt Schwarz. „Die Volksmusikszene ist grad recht rührig, es gibt viel Tanzlmusi und Blaskapellen. Aber Gruppen mit guten Männerstimmen sind echt rar geworden.“

Schwarz begleitete die Männer auch im alltäglichen Berufsleben. Martin, den Unruheständler, Sepp bei seiner Arbeit in der Gemeinde Hausham, Andreas in seiner Autowerkstatt und Anderl Leidgschwendner beim Langholzfahren. Allein diese Arbeit, mit 21m langen Baumstämmen zu hantieren als seien es Eßstäbchen, wäre ein spannender Film gewesen.

Höhepunkt für viele im Haushamer Publikum ist dann das Gespräch mit dem im Winter verstorbenen Großvater Thomas Leidgschwendner. Nicht nur die, die ihn kannten, spüren, wie positiv dieser Mensch war. „Das, was mir der alte Leidgschwendner erzählt hat, hat mich am meisten überrascht und berührt,“ erzählt Leonhard Schwarz. Der Zuschauer kann begreifen, wie gut es ist, wenn einer verwurzelt leben darf, wenn er weiß, wo sein Platz ist. Lebensfreude und Mut werden dann der Motor, um aus dem Talent, das der Herrgott einem mitgab, etwas zu machen.

Es ist dem Film anzusehen, dass er echt sein will, sich nicht verkünstelt. Da gibt es weder wilde Schnitte, Blenden und Tricks noch viele kleine Geschichten drum rum. Die Dokumentation konzentriert sich ganz auf die Sänger, zeigt saubere Bilder und feinen Gesang. Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind äußert sich begeistert nach der Vorpremiere: „Der Film würdigt die Sänger, die so viel Talent haben, und dabei so viel Bescheidenheit und Bodenständigkeit zeigen. Ihr Erfolg ist toll.“ Die Dokumentation sei ein Musikantenfilm im besten Sinn. „Wir haben zwar keinen See, um Werbung zu machen, aber dies sind die besten Botschafter, die wir Haushamer haben“.

 

 

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