• Sonja Still
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Olaf-Gulbransson-Museum: Zur Ausstellung "Trügerische Idylle"

Wer die Namen der Tegernseer Sommergäste um 1900 nachschlägt, trifft auf das Who-is-Who deutscher Geistesgeschichte. Sie waren alle hier. Die einen regelmäßig, die andren als Dauergast oder sie ließen sich gleich ganz am See nieder. Allesamt waren sie begeistert vom Tegernseer Idyll. Die Sehnsucht nach dem Landleben entsteht offenbar als Gegenbewegung zur Zerstörung eines intakten Lebensraums durch die Industrialisierung. Die Städte sind stickig und dreckig. Menschen, die auf dem lieblichen Land leben, leben gesünder, echter und ehrlicher. Heute würde man dies als Lifestyle Botschaft verstehen, damals kannte man das Wort noch nicht. Aber auch damals schon sorgten die Protagonisten der Society mit Bildern und Fotografien für die richtige Nachricht. Beispiele sind dafür die Fotos der fulminanten Geburtstagsfeier von Ludwig Ganghofer, die Thoma seinem Freund ausrichtet. Oder auch das Foto, das sich auf dem Cover des Buches „Trügerische Idylle“ findet. Es wurde augenscheinlich en passant an der Kaffeetafel im Abwinkler Sommer 1907 aufgenommen, dabei ist das Motiv präzis gestellt. In der Mitte zieht eine Dame mit Hut den Blick an, daneben sitzen Ludwig Thoma und Olaf Gulbransson, auf der andren Seite, unscheinbarer, die Ehefrauen der beiden. Lange Zeit nahm man an, dass dieses Foto von Th.Th. Heine gemacht worden sei. „Wir wissen erst seit wenigen Wochen, dass nicht Heine dieses Foto schoss“, sagt Elisabeth Tworek. Bislang unveröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen von Grete Gulbransson machen deutlich, dass es nicht Heine ist, der fotografierte. „Wir können mit Sicherheit sagen, Th.Th. Heine mied auch an besagtem Wochenende den Tegernsee. Als Fotograf dieses privaten Fotos kommt Peter Thoma in Frage, der eng mit Emil Ganghofer, dem Bruder von Ludwig Ganghofer, befreundet und als Fotograf tätig war“. Dieser Fund dokumentiert, dass Th. Th. Heine den Tegernsee mied und weist schon früh auf die Isolierung Einzelner hin. Thoma und Gulbransson schmiedeten früh Allianzen durch ihre Freundschaft. Th. Th. Heine war der prägende Zeichner im „Simplicissimus“. Er war allerdings auch der große Konkurrent zu Olaf Gulbransson, der 1902 zur Redaktion dazu stieß. Während Heine bei seinen Überzeugungen bleibt, wird Gulbransson nach der Machtübernahme Hitlers zum angepassten Karikaturisten.

Im Olaf-Gulbransson Museum Tegernsee thematisierte die Sonderausstellung „Trügerische Idylle“ die Zeit zwischen 1900 und 1945. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts war das Tegernseer Tal ein Treffpunkt der Künstler und Schriftsteller. Entstanden ist die Ausstellung in Kooperation von Bayerischer Staatsgemäldesammlung, der Gulbransson Gesellschaft und der Monacensia, dem Literaturarchiv der Stadt München.

 

copyright Foto: monacensia -Literaturarchiv München

 

Infos: www.olaf-gulbransson-museum.de

Telefon: 08022 - 33 38

 

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