• Sonja Still
  • Musikfest Kreuth: King's College Choir aus Cambridge

Musikfest Kreuth: King's College Choir aus Cambridge

Die britische Chortradition ist berühmt für ihren reinen Klang und der Chor des King's College von Cambridge gehört wohl zu den nobelsten Chören britischer Musiktradition. Heute kennt man Cambridge als Ort einer der besten Universitäten der Welt und der aktuelle Duke of Cambridge ist der Enkel der Queen, Prince William. Seit fast 600 Jahren besteht der Chor, gegründet 1441 von einem Vorfahren Williams, dem König Heinrich VI. von England. Das ist der englische König, dem Shakespeare später mit seiner Trilogie „Henry VI.“ ein Denkmal setzte. Dessen Regierungszeit war Auftakt zum 30 Jahre dauernden Rosenkrieg, einer der bittersten und blutigsten Zeiten englischer Geschichte. Es wird berichtet, dass Heinrich zeitweise geistig umnachtet war, gesundheitlich sehr labil war und mit dem Chor für sein Seelenheil sorgen wollte. Denn so stellte er sicher, dass zu den täglichen Stundengebeten und in den weiteren Gottesdiensten in der Kapelle des Colleges guter Gesang gewährleistet ist. Dies ist bis heute die Hauptaufgabe des Chors.

Einen derartigen Chor dürfte es auch im Kloster Tegernsee gegeben haben. Die Ordensregel der Benediktiner schreibt den Chorgesang vor. Ein Blick in die Geschichte von Kloster Tegernsee zeigt, dass nach einer Klosterreform zu Beginn des 15.Jahrhunderts Abt Kaspar Ayndorffer Tegernsee zu neuer Blüte führte. „Aus der Zeit um 1440 stammen die ersten Zeugnisse von vortrefflichen Sängern im Mönchschor. Später gab es den „Figural-Chor“ und den „Psallier-Chor“, Komponisten, Organisten und Dirigenten, die zu ihrer Zeit einen Namen hatten“, schreibt Hans Sollacher im Tegernseer Talheft. Gleichwohl sind zwar musiktheoretische Schriften, aber nur wenige Musikstücke schriftlich überliefert. Das liegt wohl daran, dass die Noten-Handschriften quasi zweitverwertet wurden. Man nahm sie, zerschnitt sie und band damit neue Bücher ein. In Teilen fand man sie und hütet den Schatz heute in der Bayerischen Staatsbibliothek. Sixtus Lampl beschreibt in seinem Buch „Klingendes Tal“, dass in der konstanten, jahrhundertelangen Musikpflege der Abtei, der Nährboden für die weitere Musikentwicklung im Tegernseer Tal liege.

So kann sich das Publikum also vorstellen, dass solcher Chorgesang wie der des „King’s College Choir Cambridge“ schon einmal von Tegernseer Mönchen vorgetragen wurde. Die Kritiker loben die „erhabene Wirkmacht“ dieser Chorgesänge. 16 Knaben im Alter zwischen neun und 13 Jahren und 14 Männer werden unter der Leitung von Stephen Cleobury Werke aus der englischen Chortradition, aus Romantik und Moderne präsentieren. „Aufregende Hörerlebnisse“ verspricht der Chor seinem Publikum. Sie werden den Kirchenraum wohl mit Erhabenheit erfüllen, und es dürfte schwer fallen sich dem spirituellen Sog dieser Kunst entziehen zu wollen.

 

www.musikfest-kreuth.de

Montag, 24.Juli 2017, 19.30h, Tegernseer Klosterkirche


Karten bei www.muenchen-ticket.de

oder direkt in Kreuth 08029 - 99 79 080

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