Jägerlatein und Jubiläum

„Vom Spielhahn die Federn, vom Dirndl die Treu“, so geht das Lied weiter, das der Esterl Koni, wie ihn alle, die ihn kennen, nennen, seinem jüngsten Buch als Überschrift vorsetzt. Dieses achte Buch sei nun wirklich sein allerletztes, sagt der Wildmeister in Rente bestimmt. Das hat er beim letzten vor fünf Jahren auch schon behauptet. Doch ob Jägerlatein oder nicht: die Bücher des ehemaligen Schlierseer Berufsjägers sind Klassiker und Bestseller der Jagdliteratur.

Von ungefähr kommt dieser letzte, quasi musikalische, Titel nicht. Esterl ist ein leidenschaftlicher Volksmusikant. Er hat zusammen mit seinen Brüdern Sepp und Thomas noch beim legendären Kiem Pauli das Singen gelernt, war sogar Regensburger Domspatz. Die Musik ist bis heute ein wichtiges Element in seinem Leben.

Esterl war auch Bayerns jüngster Wildmeister. Er hatte zunächst eine Lehre in der Gastronomie gemacht, doch daran fand er keine Freude. In Bad Wiessee aufgewachsen, sorgte der Vater bei seinen Söhnen für die Faszination und Liebe zur Jagd. So lernte der junge Konrad in Grainau, unterhalb der Zugspitze, zudem den Beruf des Jägers. Das Spitzinggebiet, von der Rotwand bis zur Valepp, war danach sein Revier. 23 Jahre lang sorgte er dort fürs Wild. Wildfütterungen in mannshohen Schneeplätzen gehörten da ebenso dazu, wie die Jagd. Es ging ihm immer auch um Hege und Pflege der Tiere. Für’s Wild und seinen Schutz legte er sich mit so manchem geldigen Großkopferten an. Legendär ist sein Streit mit Metro-Gründer Otto Beisheim, der meinte mit seinem Geld die Natur nach seinem Geschmack richten zu können. Franz Josef Strauß persönlich wurde involviert, damit die Streitaxt begraben wurde. Für die einen wurde Esterl zum Objekt der Kritik, die andren würdigten ihn mit Auszeichnungen.

Es gab weitere berufliche Auseinandersetzungen, und in der Folge kehrte Esterl seine geliebten Bergen den Rücken und begann im Ebersberger Forst neu. Eine schmerzliche Vernunftsentscheidung , die doch zu einer stillen Liebe fürs wurde.

 

Das alles lässt sich auch in seinem neuesten Buch nachlesen. Das Buch ist voll an unterhaltsamen und zugleich lehrreichen Erzählungen. Es sind Jagdgeschichten aus dem Gebiet zwischen Brecherspitz, Taubenstein und Pfanngraben, eben den Schlierseer Bergen. Immer wieder ist Esterl erstaunt über die Natur, lernt von und über sie. Erfreut lauscht er im Frühjahr dem Klöpfeln des Urhahnes und dem lustigen Gugeln des Kleinen Hahnes oder ficht zur Brunftzeit mit den Althirschen so manches Rufkonzert aus. Denn auch das ist kein Jägerlatein: Ruf- und Lockrufe mit Hirsch und Hahn kann der Esterl Koni in einmaliger Weise singen, klackern, schnakkeln, gurgeln oder brummen. Da kommt ihm sein Talent als Sänger offenbar sehr zu pass. Allein wer mit ihm auf einen Spaziergang geht, dem öffnet er die Augen für so manch kleines Wunder. Da ist ein Blesshuhn nicht nur ein nettes Duckanterl, da wird es zu einem faszinierenden Geschöpf – vor allem, wenn es auf die Laute reagiert.

Ob im Buch oder im Gespräch: Esterl gibt Fachkenntnisse weiter und tritt für eine saubere Jagd ein. Für ihn ist die Jagd angewandter Naturschutz. „Der Jäger passt auf’s Wild auf und schießt es nicht nur“, mahnt Esterl bei der Buchpräsentation. Er hat sich immer für eine waidgerechte Jagd stark gemacht. Er hat sich durchaus mit den Forstbehörden angelegt, weil er bei den Abschusszahlen Klartext redete. Ihr Motto „Wald vor Wild“ kritisiert er. Für ihn gehören Wild und Wald zusammen. Der Jäger Esterl hat in seinem Leben gewiss viel gejagt und hat zahlreiche Jagdgäste geführt, ob auf Gams, Hirsch, Sau, Bock oder Hahnen. Anekdoten kann er viele liefern. Doch am liebsten erinnert er sich an die Zeit, als er im Spitzinggebiet arbeitete. Damals war im Nachbarrevier sein Bruder Thomas tätig. Ein Hirsch hätte zu der Zeit durchaus das 14. oder 16 Jahr erreichen können. Das ist heute nicht mehr möglich, die Jagd hat sich sehr verändert. „ Wenn ich noch mal am Anfang stünde, ich würde wieder den Beruf des Berufsjägers ausüben, trotz mancher schlimmen Erfahrung“, resümiert Konrad Esterl. Die Liebe zu seinem Beruf siegt immer.

 

Info:

Konrad Esterl : Vom Gamsbock die Kruckn, vom Hirsch das Geweih. Verlag Neumann-Neudamm. Preis: € 29,95

ISBN 978-3-7888-1802-9

 

 

 

 

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