Hoagascht zum Jubiläum

Freilich, auf Bairisch schreiben ist nicht leicht - lesbar soll's sein und doch im Dialekt. Und das, ohne diese ganzen sinnlosen Wirtshaus-Apostrophe.  Im Musikantenheftl wird der Roman Messerer den Artikel veröffentlichen, dann aber wohl in Schriftdeutsch. Aber lest'S es selber!

 

Musikanten, lasst’s enk hörn, der echten Volksmusik zu Ehrn

Zehn Jahr gibt’s jetz’ den Verein zur Pflege der bairisch-alpenländischen Volksmusik. Zehn Jahr san verganga, in dem koa Dog verdo war, des zu bewahrn, was die Altvordern überliefert habn. Der Kiem Pauli hat diam die Sänger und Musikanten ermahnt ghabt, dass’ de oiden Liadl und Stückl singan und spuin, „so, wie sie unseren Vorfahren aus dem Herzen gekommen sind“. Vor zehn Jahr war es höchste Zeit, dass sich Musikanten zam do habn, dieses Vermächtnis zu hüten. Aber es war no net z’spat, es war grad no zur rechten Zeit. Bewirkt hat der Verein scho so einiges, a wenn vui Arbat und Einsatz notwendig is. Manchmaoi muass ma für so a Aufgab si ganz schee obidoa und eisteh, gegen Unverstand und damischs Zeig. Aber es rentiert sich. Das hat das Jubilumsjahr heuer zoagt.

Im Frühjoar is das Jubiläumsjahr des Bairisch-Alpenländischen Volksmusikvereins in Tegernsee feierlich eröffnet worden. Ihre königliche Hoheit, Herzogin Helene in Bayern, die Schirmherrin des Vereins, war kema, aber aa ihr Schwester Anna mit Gatten, Baron von Maltzahn, warn im Schloss dabei. Die Wittelsbacher warn und san bis heut die besten Bewahrer und Förderer unserer bayrischen Musik. Jetz, im Hiagscht, hats dann an bärign Hoagascht gebn für alle, de des Echte no wertschatzn.

Weit ausm Oberland san d’Leut auf Kematen groast, da Saal im Gasthof Weingast war bis aufn letztn Platz bsetzt. „Ös seids heut da, um a Zeichen z’setzen für die echte und unverfälschte Volksmusik“, hat der Siegi Götze, der am Hoagascht ogsagt hot, gmoant und hat vorglesn, was der Wastl Fanderl amoi gschriebn hat: „Schaugts ma drauf, dass unserer Volksmusik weder das Volk noch die Musik verloren geht. Kulturaustausch ist gut, aber nicht um den Preis, seine eigene Kultur aufzugeben. Ein Volk, das seine Kultur aufgibt, verliert sich selbst“

Wia schee die unverfälschte Musi klingt, des hat as Publikum über drei Stunden erleben deafen. Mittendrin, zwischen de Leit, hat d’ Frasdorfer Tanzlmusi mit am flotten Marsch eröffnet. Drauf habn der Huber Sepp, der Eisner Christian, der Blaser Hubert und der Messerer Roman mit ihrer Weinberg Zithermusi übernommen. Der Roman, der ja aa der erste Vorsitzende vom Verein ist, komponiert und arrangiert aa so manches Stückl. An dem stimmungsvollen „Gruß von Kirchseeon“ hätt da Kiem Pauli aa sei Freud gehabt. Und die „Amalienpolka“, komponiert von Herzog Max in Bayern, war eine Hommage ans Wittelsbacher Haus. Von 1808 bis 1888 hat der Zither Maxl, wia ihn as Volk mit allem Respekt gnennt hat, glebt. Und vielleicht darf man gar annehmen, dass auch er ein Mitglied des Bairisch-Alpenländischen Volksmusikvereins gworden wär, hätt es ihn damals schon gegeben. Als junger Mann hat er um die 1830er Jahre eine „alpenländische Welle“ in der Residenzstadt München durch sein Tun ausgelöst. Nicht nur die Tegernseer Trachtejoppe machte er hoffähig, vor allem die Musik, die er vom Tegernsee kannte. Er fängt an, oberbayerische Volkslieder zu sammeln, tauscht sich dafür mit seinem „lieben Franz“, dem Dichter Franz von Kobell, dem Vater des „Brandner Kaspars“, aus. Der eine dichtet, der andre musiziert. Mit ihm hat er nachweislich auch in froher Runde gesungen. „Die Leber ist von einem Hecht und nicht von einem Zobel“, hat er mal gereimt, „zum Trinken, da tauge ich- zum Dichten taugt der Kobell!“ 1846 erscheint unter seinem Kürzel H.M. ein erster kleiner Liederband „Oberbayerische Volkslieder mit ihren Singweisen.“ Was davon Gehörts und Aufgschriebens is, was vom Herzog und seinem Kobell Gemachtes ist, das lasst sich heut nimmer auseinander halten. Aber haben tun wirs, weil der Herzog das, wie das Volk seine Musik gsungn hat, erhalten und weitergegeben hat.

Landler, Boarische, Polka – vielfältig san die Stückeln. Und wenn sie die Weinberg Zithermusi aufspielt, klingt nix altvatrisch-fad, sondern ois lebendig und frisch. Einen ganz besonderen Klang zoagt das Harfentrio Fischer–Schauer aus dem Chiemgau. Heutztag ists eher selten, dass Manner die Harfen spuin und des dann aa glei no im Trio. Wie kraftvoll sie die Harfe klingen lassn, des ist vielleicht a so zum vergleichn: bei Harfenistinnen tänzeln Engerl mit, beim Spiel der Chiemgauer bebt quasi die ganze himmlische Heerschar. Da is de richtige Rass drin!

Der Lindmair Dreigsang war am Hoagascht dann für den feinen Klang zuaständig. Die drei Frauen aus Fischbachau haben Almliadl gsungn, in denen der Sommer vielfältig gschildert werd. Selten macht a Singads so deutli, welch reichen Schatz an Alltagserfahrungen die oiden Liedtexte überliefern. Auch die Lieder, die die Reichersdorfer Sänger oder der Leidgschwendner Zwoagsang aufsangen, erzählen von der Lebenswelt der Alten. Da gings ums Jagan, ums Fuhrwerkfahren oder auch mal um die Liab – und da nicht nur um das leichte Verliebtsein, schon auch um das, was da noch so dazu gehört.

Das macht’s halt aus, das Echte in der Musi! Da wird im Jahreslauf die Lebenswelt von der Geburt bis zum Tod, von da Liab und vom Fensterln, von da Alm, da Jagarei oder dem Wuidererleben aufzoagt, a mal froh, a mal rebellisch, a mal frech, a mal zart intoniert. Und das in der Sprache, wo sie – die Lieder und die Sänger- dahoam san.

Schwer auszumachen, was das Publikum mehr begeistert hat: Die satten Männerstimmen der vier Reichersdorfer oder die starken, voluminösen Stimmen vom Leidgschwendner Zwoagsang. Sie können kraftvoll singen und dennerscht weich modulieren, der Anderl und sei Bua, der Andreas. Bekannt sans vom Haushamer Bergwachtsgsang. Es is leicht der Gedanke da, dass’ so das legendäre Duo Sontheim Sepp und Peppi Burda gesungen haben muss. Aber freilich, das tätn die zwoa Anderln weit zruckweisn, sovui Ehr nehmens ungern an. Weil, dadns sagn, da geht vui nur deszweng, weil die Holzer Maria an der Zither und der Oberhorner Heiner an der Gitarr ihre ständigen Begleiter san. Auf sie sans eingspuit und auf sie können sie sich verlassen. Aber genau des ist ja auch des, was im Bayerischsein und Beieinandersein an großen Wert hat.

Fast wollte man sich wünschen, dass es jedes Jahr so an Jubiläums-Hoagascht gäb, doch jetzt hoaßts weiterarbeiten und einstehn für die Aufgab, der sich der Verein gewidmet hat. Selten sind gleich so vui feine Musikanten bei oaner Veranstaltung. In Kematen haben sie alle zusammen der bairisch-alpenländischen Volksmusi recht lebendig und würdig die Ehr erwiesen.

 

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