Gutes und erfolgreiches Neues Jahr

Es liegt an uns, wie wir mit diesem Terror umgehen.

Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Unsortiert. Einige: Wie oft sind wir auch im Alltag unversöhnlich und bösartig - verweigern den Dialog, wenn es um Kritik geht. Reden von Liebe, handeln aber nicht so. Schneiden uns ab, greifen zwar nicht zu den Waffen, aber schalten den Rechtsanwalt ein. Die Rufe werden zu harten Parolen - es sind verlassene Geister, irregeleitete Egoisten, die mit ihrem Selbstmitleid andre ins Leid stürzen. Wer jetzt von "Krieg" redet, sät ihn. Terrorismen des Wortes, böses Denken leitet uns ins Dunkel.

Heute schreibt Heribert Prantl in der Süddeutschen sehr nachdenkenswert:

Der Hass ist eine furchtbare Kraft. Der Hass macht blind. Der Hasser sieht den Menschen nicht mehr, er sieht die Menschen nicht mehr. Er sieht nicht mehr, dass die Menschen, die er jetzt totfährt, gerade Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder einkaufen. Der Hasser sieht nicht, dass die Menschen, die er mordet, Menschen mit Sorgen sind wie er. Der Terror hat verschiedenste Formen. Sein Kern und seine Triebfeder ist der Hass.

Der Hass macht aus anderen Menschen Objekte, die der Befriedigung des eigenen Hasses dienen müssen. Der Hass entmenschlicht. Er ist ein niedriger Beweggrund, der sich mit Geltungssucht selbst erhöht. Hassen heißt, unablässig morden. Solcher Hass ist nicht nur hässlich, er ist entsetzlich und unendlich traurig.

Das Gefährliche am Hass ist, dass er das Morden für eine tapfere Tat hält. Und das besonders Gefährliche am Hass ist, dass er ansteckend ist. Hass hat Verführungskraft. Wer vom Hass getroffen wird, kann von ihm infiziert werden. Die vom Hass Getroffenen hassen dann zurück: Sie hassen den Täter, sie hassen auch die Gruppe von Menschen, zu denen man den Täter rechnet. So entsteht die monströse Dynamik des Hasses. Wenn diese Dynamik funktioniert, ist das ein Erfolg der Hasser, der Mörder, der Terroristen.

Der Journalist Antoine Leiris, dessen Frau beim Terroranschlag von Paris getötet wurde, richtete einen bewegenden offenen Brief an die Mörder: "Nein, meinen Hass bekommt ihr nicht!" Er beschrieb seinen unsäglichen Schmerz: "Natürlich bin ich vor Kummer fast am Ende, diesen kleinen Sieg gestehe ich euch zu." Aber, so schrieb er auch: "Ich werde euch jetzt nicht das Geschenk machen, euch zu hassen. Sicher, darauf habt ihr es angelegt - doch auf diesen Hass mit Wut zu antworten, das hieße, sich derselben Ignoranz zu ergeben, die aus euch das gemacht hat, was ihr seid. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger mit Argwohn betrachte und meine Freiheit für meine Sicherheit opfere. Vergesst es. Ich bin und bleibe der, der ich bin."

Das war, das ist ein berührendes, ergreifendes und mutiges Bekenntnis. Das ist eine Antwort auf den Hass. Es ist eine Antwort auch auf den Anschlag von Berlin.

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