Gefahr ist mein Beruf

Privatermittler im Stielerhaus

Wenn Josef Resch aus seinem Leben erzählt, hört sein Anwalt immer mit. Jede unüberlegte Äußerung könnte den Privatermittler gefährden. Doch auch so waren die Geschichten, die Resch im Stielerhaus erzählte, spannend genug. Josef Resch kam zum beim Stieler-Talk, denn aufgewachsen ist er am Tegernsee, auf der Schwaigeralm. Ein Interview der andren Art. Kollegin Johanna Wieshammer war für die Tegernseer Zeitung dabei:

Tegernsee – Josef Resch ist Privatermittler. Keiner, der untreuen Ehefrauen auflauert. Er hatte es auf die richtig dicken Fische abgesehen. FBI, BKA und englischer Geheimdienst sind Wörter, die ihm leicht über die Lippen gehen. „Sepp, du hast doch Kontakte zur russischen Mafia“, hat ihn so mancher Anrufer 1992 im Fall Reemtsma gefragt.

24 Jahre später stellt ihm die Journalistin Sonja Still die Fragen. Sie interviewt Resch vor Publikum im Stieler-Haus. Als sie sein Buch las, sei „im Kopf das Kino losgegangen“, schickt Still voraus. Für gewöhnlich sei sie „frecher und investigativer“. Im Fall Resch gebe sie „lieber das Tegernseer Trutscherl“. Resch antwortet geduldig. Er spricht mit sonorer Stimme, auf Hochdeutsch mit bairischem Einschlag. Wenn er keine Antwort geben will, gibt er keine. Darauf hätten sie sich vorab geeinigt, so Still. Für sie sei das Interview heikel. Sie müsse immer genau überlegen, was sie sagt. Denn Reschs Anwalt taxiert sie vom Publikum aus. Ein falsches Wort kann böse Folgen für seinen Mandanten haben.

Doch auch ganz ohne Interview und Publikum lässt einen Reschs Biographie leicht wie ein Tegernseer Trutscherl vorkommen. In seine Welt haben Otto-Normalbürger keinen Einblick. Nur seine Familie wusste, dass er im Untergrund arbeitet – und die Polizei. Ist es nicht schwer, das aufrechtzuerhalten? Mit normalen Leuten rede er nicht, sagt Resch. Wobei, was sei schon normal, legt er nach. Er sei ein absoluter Einzelgänger, ein Beobachter. Sein eiserner Grundsatz: nicht verstellen. Sonst verstricke man sich in Widersprüche, sagt er und präsentiert sich als nahbarer Mann, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht.

1949 ist er geboren und ein echter „Dägansäer“. Seine Eltern machten die Schwaigeralm bei Kreuth groß. Hier lernte Resch Koch – und kam mit der Prominenz in Kontakt. Beste Voraussetzungen also, um Pablo Escobar Kaiserschmarrn zuzubereiten. Jenem Escobar, der die Industrialisierung des Kokain vorantrieb und so Staatsfeind Nummer eins in den USA wurde. 350 Millionen Dollar verdiente er – pro Woche. Dabei ließ er sich vom kolumbianischen Auftragsmörder Popeye begleiten, der mindestens 500 Menschenleben auf dem Gewissen hat. Das Publikum lauscht gebannt, zwischendrin durchbricht ein erstauntes „Ah“ oder „Oh“ die Stille.

Zum Fall Oetker schweigt Resch. Schließlich lebten hier in Tegernsee Leute, die involviert waren. Nur soviel: „GfG“, sagt Resch. „Gier frisst Gehirn.“ Das sagt er öfter, auch über Oetker-Entführer Zlof. „Ist Gier etwas, das man aus dem Tegernseer Tal mitbringt?“, fragt Still. Im noblen Stieler-Haus, vor sich ebenso nobel gebenden Zuhörern, durchaus provokant. Tegernsee sei nun mal der Lago di Bonzo, antwortet Resch. Geld beeinflusse den Charakter. Viele behandelten andere von oben herab, sei ihm aufgefallen. Im Grunde steckten dahinter Komplexe. „Charakter und Geld sind Feinde“, fügt er hinzu. Aber kann jemand mit seinen Erlebnissen überhaupt noch vertrauen? Mit zwei, drei echten Freunden sei man „ein froher Mann“, resümiert Resch. Durchschauen könne er niemanden, „der Mensch hat so viele Gesichter“.

Wie Florian Homm. Der Investmentbanker verschwand mit Millionen. Resch wurde auf ihn angesetzt. Zuerst verfolgte er ihn, dann half er ihm – weil Homms Mutter ihn darum bat. Hätte er sich an Kindern vergriffen, hätte er nicht für ihn gearbeitet, relativiert Resch. „Aber hier ging es nur um Geld.“ Doch woran richtet er seinen Moralkompass aus? Seine Eltern hätten ihm Werte wie Höflichkeit und Anständigkeit vermittelt, sagt der Ermittler. „Und sowas wie ,hör den Menschen zu‘.“

Auf die Frage, wie man Privatermittler wird, müsse er weit ausholen, antwortet Resch. Bis zu den Anfängen auf der Schwaigeralm. Oder man liest einfach sein Buch. Einmal die Seiten aufgeschlagen, lässt es sich nicht mehr leicht aus der Hand legen. Kein Wunder, dass es verfilmt wird. Derzeit laufen Verhandlungen mit ARD und ZDF.

 

Das Buch „Gefahr ist mein Beruf: MH17, Pablo Escobar, Florian Homm- Deutschlands erfahrenster Privatermittler packt aus“ von Josef Resch ist im Econ-Verlag erschienen und kostet 18 Euro.

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