• Sonja Still
  • Die Geierwally im Schlierseer Bauerntheater

Die Geierwally im Schlierseer Bauerntheater

Es war Premiere am Ostersonntag. Die Schlierseer spielten in ihrem Bauerntheater "Die Geierwally". Wer nicht da war, hat was versäumt...

Für den Miesbacher Merkur habe ich eine Kritik geschrieben. Die darf man auch hier lesen. Doch wie es halt so ist, gibt es in der Zeitung eine begrenzte Zeilenanzahl und die Leser müssen informiert werden, um was es überhaupt geht. Doch zu dieser Aufführung muss man noch viel mehr sagen. Sie war vulminant und bereitet eine saugute Unterhaltung, trotz der Reduzierung - vielleicht auch wegen der Reduzierung- auf das Wesentliche. Ich kenne "Die Geierwally" vor allem aus dem Fernsehen, aber da ich mich seit vielen Jahren mit den sogenannten "Heimat-Autoren"  beschäftige, die, das Bauernleben schildern, kenne ich auch die Adaptionen der Wally ganz gut. Und die Bühnen, die das Stück in den letzten Jahren zeigten (und ich gesehen habe), haben den Nerv der Story längst nicht so getroffen. Dafür ein großes Hutziehen vor den Schlierseern!

Die Autorin, die den ursprünglichen Roman 1870 schrieb, heißt Wilhelmine von Hillern, eine Münchnerin, die vor ihrer Heirat als Schauspielerin tätig war und dann, nach der Heirat, zur Schriftstellerin wechselte. Sie hatte in einem Laden ein Bild einer Frau gesehen, die  einen Adlerhorst an einer Felswand ausnimmt. Die Autorin recherchierte, fand die "echte" Frau, eine Tirolerin namens Anna Stainer-Knittel und schrieb danach ihre dramatische Geschichte.

Frauen, die wissen, was sie wollen und sich durchsetzen, sind in der Literaturgeschichte vielfach Sujet. Offenbar seit Jahrhunderten ein faszinierendes Thema. Es gibt auch mittelalterliche Stoffe und Autorinnen, die kraftvoll dieses Thema zeigen. Aber ich will nicht zu weit ausholen.

Es ist unglaublich toll, wie Carolin Schmid die Wally spielt. Diese lange Strecke, soviel Text und dabei immer in der richtigen Tonlage. Nichts zuviel, nicht zu wenig. Sie schafft es, die Zwischentöne zu zeigen, ohne platt zu werden. Und wie unangenehm der Vinzens ist! Und wie dummdeppert die Oberdirn rummobbt - Bauernschläue und Dummdreistigkeit wenn zamkommen... . Den Schlierseern gelingt es, diese Charakteristika der Menschen als zeitlos, nicht nur als Klischee hinzuspielen. Und das macht diese Inszenierung so einmalig - denn damit wird im besten Sinne das Lessingsche Ideal von Theater aufgeführt: den Menschen mitfühlen lassen, ihn zum Nachdenken zu bringen und doch unterhaltsam zu sein.

 

Tickets gibt es ganz unten auf der Seite des Schlierseer Bauerntheaters, direkter Link ist hier

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